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Das kann ich sowieso nicht

Wenn die SängerInnen so etws sagen, meinen SIe, sie hätten schon alles probiert. Dazu gibt es zwei Varianten. 

Erste Geschichte: Von rebellischen SängerInnen

--> "Die Lehrer konnten mir alle nicht helfen. Dabei habe ich mich doch so doll angestrent. Ich habe wirklich versucht alles richtig zu machen. Meine Schuld war das aber nicht. Also komm mir bloss nicht mit diesen komischen Übungen. Ich will einfach Spass haben. Hör mal, wie das klingt: Yeeeehaaaaaaaaaal"

 

Da ist zugegeben wie auch bei den anderen Beispielen etwas verkürzt dargestellt, ist aber in ähnlicher From tatsächlich ein paar mal vorgekommen.DIese Sänger haben sich schon allzu oft mit Erfolg gegen viele Anfeindungen und teilweise auch irrige Lehrmeinungen zur Wehr gesetzt.Sie fühlen sich schnell verurteilt, abgewertet und kontrolliert. Ich nehme diese Schüler beim Wort und äussere ohne Heuchelei Verständnis für ihren Frust. Dann versuche ich ihnen eine schnelle Befriedigung ihres Spass- Bedürfnisses zu geben.

 

"Hast du Lust, mal richtig laut singen?" --> "Na klar, aber das darf ich doch nicht! Ist das nicht ungesund?"  

"Nöö, jedenfalls nicht hier denn ich passe schon auf, dass nichts schiefgeht.ich gebe dir mal einen Tipp, aber nicht weitersagen. Öffne  ganz bewusst den Mund und atme dann ziemlich langsam  durch den Mund ein. ..." Dann singe laut "Aaaaaaaaaaaaah".

--> "Booah das tut ja gar nicht so weh wie sonst. Nochmal !"

Natürlich könnte ich jetzt gleich erklären, dass das mit der allgemeinen Öffnung und der besseren Einatmung zu tun hat. Ich lasse das die SchülerIn aber lieber selber herausfinden und mache nur dann Lösungsvorschläge, wenn er oder sie steckenbleibt.

 

Zweite Geschichte: Von den SängerInnen, die alles reflektieren und dann doch keine Meinung haben und niemals mit dem Üben beginnen?

Eine meiner EIngangsfragen ist oft: "Was möchten Sie heute in Ihrem Unterricht tun?" EIne sehr gebildete Sängerin, die ich viele Jahre Unterrichtet habe, fiel anfangs in folgendes Muster: 

 --> "Also ich bin eine eigentlich eine grosse Liebhaberin von Brahms. VIelleicht könnten wir aber mal einen Händel singen. Ich weiss nicht.. sagen Sie mir einfach was ich tun soll. Ich fürchte nur, das hat alles doch keinen Zweck, denn ich habe alles schon mal probiert und es hat nicht geklappt. Sie sollten sich lieber nicht mit mir abmühen. Es ist alles meine Schuld. Ich sollte vielleicht nicht mehr kommen."

 Ich muss zugeben, dass ich zu Anfang meiner Lehrerlaufbahn nicht erkannt habe, dass diese Schülerin tatsächllich klare Anweisungen braucht, da SIe sonst lange wegbleibt und in Passivität versinkt. Daher reagiere ich heute auf diese Message so:

"Nehmen SIe sich bitte kurz Zeit, zu überlegen, welche Unterstützung SIe von mir wollen." -- --> "Ich möchte klare Anweisung zum Einsingen bei dieser Arie, die sonst nie funktioniert."

"Wir erarbeiten heute Schritt für Schritt eine Vokalbildungs-Übung . DIese kleine Übung machen SIe  genauso vor jeder Phrase der Arie. Machen SIe sich Notizen zum Ablauf dieser Übung und führen Sie diese  zu Hause genauseo aus. Zum nächsten Mal berichten Sie mir bitte über die Erfahrungen, die Sie dabei gesammelt haben."

Das erfordert alles sehr viel Geduld, denn es kann durchaus passieren, dass eine Sängerin oder ein Sanger mit dieser Persönlichkeit bis zur nächsten Stunde noch 10 andere Menschen um Rat gefragt hat und beschlossen hat, dann doch lieber gar nichts zu versuchen. Vielleicht brauchen sie aber auch Anweisungen zB. in Form von Online-Tutorials?

 

Lutz Pfingsten 11.08.2017